miserable stellenanzeigen im internet

der Umgang mit sinnnfreien Stellenanzeigen

Die Flut an online Stellenportalen ist kaum zu bremsen. Jeden Tag kommen neue Portale hinzu und auch die sozialen Netzwerke bieten zahlreiche Möglichkeiten um den oder die geeignete Mitarbeiter:innen für die eigene Unternehmung zu gewinnen. Der Fachkräftemangel (sofern es diesen denn überhaupt gibt, dazu in einem anderen Beitrag mehr) gibt noch einmal richtig Gas in der Sache aber was dabei dann an Stellenanzeigen herauskommt ist dann eher nur heiße Luft. Nun ja, Luft nach oben ist immer noch möglich.

Was mich ärgert sind die Stellenanzeigen die total langweilig und erhaben formuliert wurde und dann komplett an der Gesetzgebung vorbei laufen. Da werden Dinge umgesetzt, Wordings gewählt und Prozesse definiert, die einfach nur noch zum Staunen animieren. Was da an Kreativität geboten wird, nun ja, das Thema ist nicht demokratiefähig aber bitte die für Deutschland geltenden Gesetze sollten berücksichtigt werden.

Welche Gesetze sind bei einer Stellenanzeige zu beachten?

Wohl eine Vielzahl, wobei ich mich hier auf den ultimativen Standard konzentrieren möchte. Hierzu gehören zweifelsfrei

  • das Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)
  • die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO)

Ist Ihnen bekannt, dann ist ja alles wunderbar aber leider ist genau das bei vielen Unternehmen noch nicht wirklich angekommen. Die Mängelliste ist lang und die Umsetzung oftmals komplett am Datenschutz vorbei gedacht. Aussagen wie “Jetzt über WhatsApp bewerben” oder sinnfreie oftmals auf Billig-Servern in fragwürdigen Drittstaaten ausgelagerte “Bewerbungs-Formulare” generieren bei mir ein großes Fragezeichen mit der Frage: Wie möchte denn das Unternehmen den Umgang mit meinen Bewerbungsunterlagen wirklich DSGVO konform sicherstellen?

Selbst wenn dieser Faupax ignoriert werden kann, wundern mich schwachsinnige Hinweise “bei uns gibt es immer frisches Obst” wenn ich verzweifelt recherchieren muss wo die Firma nun Ihren Sitz hat und welches Gehalt man dort erwarten kann. Für eine Obstschale geht mit Sicherheit keiner arbeiten, dazu bedarf es dann schon an qualifizierteren Angaben und Informationen.

Aber warum denn der Aufwand, letzte Rettung ist immer der Hinweis: “Sie haben Fragen, unser HR Management hilft Ihnen gerne weiter”… Wow, muss das HR Management Zeit haben..!!! Dabei könnte es so einfach sein eine halbwegs aussagekräftige Stellenanzeige mit Inhalten zu füllen und wenn man das Thema Datenschutz professionell umsetzen möchte empfiehlt es sich entsprechendes Know How einzukaufen.

Leidiges Thema: Die Sache mit dem Geld

Über Geld spricht man nicht, jedenfalls nicht in deutschen Unternehmen und definitiv nicht in der aktuellen Stellenanzeige. Lassen wir den Bewerber doch einfach seinen Gehaltswunsch mitteilen und wenn dieser über das Ziel schießt schieben wir die mit Mühe erstellte Bewerbung in den Papierkorb oder tauchen ganz ab (Ghosting Feeling). Irgendwie doch dümmlich und arrogant.. Warum nicht einfach ein Mindestgehalt angeben was den Bewerbern die Möglichkeit bietet ein für sie wichtige Entscheidung zu treffen: Bewerbe ich mich oder spare ich mir meine Zeit. Übrigens würde die Angabe des Gehalts auf den Mitarbeitern der HR Abteilung viel Arbeit ersparen. So einfach kann die Welt sein, nicht aber in vielen deutschen Unternehmen, ob groß / klein oder riesig.

Und übrigens: Die Angabe des Gehalts ist seit dem 2011 bei unseren Nachbarn in Österreich verpflichtend. Ebenso auch in der Schweiz. Aber der deutsche Unternehmergeist sieht die Sache wieder anders und auch komplizierter. Die Obstschale muss einfach überzeugen und wer die nicht möchte, der lässt es bleiben.

Was man aber langsam ernst nehmen muss / ernst nehmen sollte:

Nicht erst seit dem Entgelttransparenzgesetz ist eine Diskussion hinsichtlich der Transparenz der Vergütung in Unternehmen entstanden. Equal Gender Pay“ das Schlagwort unserer Zeit. Wie sollten Arbeitnehmer nachvollziehen können, ob der eigene oder zukünftige Arbeitgeber diesem Thema nachkommt, wenn er nicht eine gewisse Gehaltstransparenz lebt? 

Machen wir es uns und unseren Bewerbern einfach nur kompliziert oder begeistern wir durch Ehrlichkeit und Offenheit. Da bin ich jetzt ausnahmslos ehrlich. Ein Unternehmen welches mit offenen Karten spielt, hat bei mir eine sehr hohe Wertschätzung die kein Obstkorb toppen kann